Kurzantwort: Bleirohre kommen in Berliner Altbauten vor, die vor 1973 errichtet wurden. Sie sind am silbergrauen Glanz und der weichen Oberfläche erkennbar. Wegen der Gesundheitsgefahr durch Blei im Trinkwasser sollten sie so bald wie möglich ausgetauscht werden.
Warum gibt es überhaupt Bleirohre?
Bis in die 1970er Jahre war Blei ein verbreitetes Material für Trinkwasserinstallationen. Es lässt sich leicht formen, ist korrosionsbeständig und war lange Zeit als Werkstoff akzeptiert. In Berlin, wo der Wohnungsbestand viele Gebäude aus der Vorkriegszeit umfasst, sind Bleirohre im Hausinstallationsbereich - also zwischen Hausübergabe und Wasserentnahmestelle - noch anzutreffen.
Wie erkenne ich ein Bleitrinkrohr?
Folgende Merkmale helfen bei der Identifikation:
- Farbe und Glanz: Bleirohre haben einen charakteristischen silbergrauen, matten bis leicht glänzenden Ton. Im frischen Anschnitt zeigen sie reines Silbergrau.
- Weichheit: Blei ist weich und lässt sich mit dem Fingernagel leicht ritzen - was bei Kupfer, Stahl oder Kunststoff nicht gelingt.
- Form: Ältere Bleirohre verlaufen oft geschwungen und haben keine scharfen Winkel - sie wurden von Hand gebogen.
- Schwergewicht: Bleirohre sind für ihren Durchmesser deutlich schwerer als Kunststoff.
Wenn Sie unsicher sind: Ein Installateur oder Fachbetrieb kann das Material mit einem einfachen Test eindeutig bestimmen.
Welche Gesundheitsrisiken gehen von Bleirohren aus?
Blei löst sich langsam aus den Rohrinnenwänden in das Trinkwasser. Besonders bei langem Stillstand - etwa nach einer Urlaubsabwesenheit - steigt die Bleikonzentration im Wasser an. Blei ist ein Schwermetall, das sich im Körper anreichert und insbesondere für Kleinkinder, Schwangere und die Entwicklung des Nervensystems schädlich ist. Der EU-Grenzwert für Blei im Trinkwasser wurde auf 5 Mikrogramm pro Liter abgesenkt.
In Berlin verpflichtet das Trinkwasserrecht die Eigentümer, die Hausinstallation in einem einwandfreien Zustand zu halten. Überschreitet die Bleikonzentration den Grenzwert, muss gehandelt werden.
Was tun, wenn ich Bleirohre habe?
- Wasserprobe entnehmen lassen: Professionelle Trinkwasseranalysen zeigen, ob der Grenzwert überschritten ist. Das Berliner Trinkwasser selbst ist bleifrei - die Belastung entsteht erst in der Hausinstallation.
- Kein Stehwasser trinken: Bis zur Sanierung sollten Sie Wasser, das länger als vier Stunden gestanden hat, ablaufen lassen und nicht für die Zubereitung von Babynahrung oder Getränken verwenden.
- Fachbetrieb beauftragen: Ein Installateur begutachtet die Leitungen und erstellt ein Sanierungskonzept.
Sanierungsmethoden
Rohraustausch ist die gründlichste Lösung: Die Bleileitungen werden komplett entfernt und durch Kupfer- oder Kunststoffrohre ersetzt. Das ist aufwendiger, beseitigt aber das Problem dauerhaft.
Rohrinnensanierung (Zementmörtel oder Epoxidharzauskleidung) ist eine Alternative für schwer zugängliche Leitungen: Ein Innenfilm versiegelt die Bleioberfläche und verhindert weiteres Auslösen. Diese Methode ist zulässig, wenn sie für Trinkwasserleitungen zugelassen ist.
Kostenübernahme bei Mietverhältnissen
Im Miethaus trägt der Eigentümer die Sanierungskosten. Als Mieter haben Sie das Recht auf einwandfreies Trinkwasser. Sprechen Sie Ihren Vermieter schriftlich an. Bleibt er untätig, kann das Gesundheitsamt Berlin eingeschaltet werden.